Montag, 22. April 2013

Die Freude am Herrn ist eure Stärke! (Nehemia 8,10b)


Das erlebe ich hier - dass es Gottes Freude ist, die mich stark macht. Manchmal bin ich nämlich entmutigt und habe nicht mehr so große Lust, hier zu sein. Dann wäre ich lieber in Deutschland, bei meiner Familie, den Freunden, in der Kirchengemeinde, im CVJM, in der Natur usw. Aber es sind nicht die äußeren Umstände, die bestimmen, ob ich mich freue, sondern es ist GOTT! Auch wenn ich das weiß, lasse ich es manchmal noch zu, trotzdem entmutigt zu sein. Aber Gott erinnert mich dann immer wieder daran, dass ich voller Freude bin und dass ich in ihm alles habe, was ich brauche.

Mittlerweile wohne ich im Youth House, das ist ein separates Haus auf der anderen Straßenseite, wo die Voluntäre und die ältesten Jugendlichen des Father's Houses wohnen. Da konnte ich in den ersten Wochen aber nicht wohnen, weil kein Platz war. Vor gut zwei Wochen bin ich dann aber umgezogen, was mich sehr gefreut hat. Im Youth House ist es einfach ruhiger, was ich vor allem an den freien Tagen sehr genieße. Außerdem bin ich jetzt näher an den anderen jungen Leuten dran - zuvor hatte ich eigentlich keinen Kontakt zu ihnen, was sehr schade war. 
Letzte Woche haben alle Kinder und Mitarbeiter einen Ausflug gemacht - die Mädels und Frauen an den Strand, die Jungs und Männer zum Wandern. Wir sind um 5 Uhr morgens gestartet und zunächst einmal raus aus Manila und noch ein bisschen in die Provinz gefahren. Wir sind auf einen Berg gewandert, wo wir über Nacht geblieben sind, weshalb wir auch einiges an Verpflegung dabei hatten. Als wir uns auf dem Parkplatz bereitgemacht haben, haben wir allerdings bemerkt, dass wir unseren Topf vergessen haben. Das ist natürlich besonders für Filipinos schlimm, denn ohne Topf kein Reis. Also haben wir uns bei einer Frau, die direkt neben dem Parkplatz wohnte, noch schnell einen Topf ausgeliehen, was gar kein Problem war. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland so einfach vonstatten gegangen wäre, aber hier scheint das Vertrauen relativ groß zu sein. Wir hatten natürlich auch ganz schön viel Wasser dabei, was wir in zwei 20-Liter-Kanistern hochgetragen haben. Das war ganz schön anstrengend, obwohl wir uns natürlich abgewechselt haben. Als wir schließlich alles bereit hatten, ging es los in den Dschungel - ob man das wirklich so nennen kann, weiß ich nicht. Es gab schon Lianen und so, aber es sah trotzdem noch relativ ähnlich wie ein deutscher Wald aus. Vor allem für die kleineren Jungs war es eine ganz schöne Herausforderung, so viel zu laufen. Wir hatten 600 Höhenmeter zu bewältigen und waren 3 1/2 Stunden unterwegs. Man hätte es auch in 2 Stunden (ohne Kinder) schaffen können, aber vor allem gegen Ende waren viele ganz schön fertig und auch die Motivation war am Boden, sodass wir viele Pausen gemacht haben. Aber schließlich sind wir doch angekommen. Wr haben unser Lager ca. 50m unterhalb der Bergspitze aufgeschlagen. Dann wurde zuerst Feuer gemacht, damit wir den Reis kochen konnten. Außerdem hatten wir auch Ulam dabei - das ist im Prinzip immer das, was es außer dem Reis zu essen gibt. Wörtlich übersetzt heißt Ulam - glaube ich - einfach nur "Gericht". In unserem Fall war es Hühnchen mit einer braunen Soße, was sehr lecker war. Wir hatten weder Teller noch Besteck dabei (das war aber auch so geplant), denn man isst hier auch gern mal mit den Händen. Zum Essen haben wir einfach zwei große Plastiktüten ausgebreitet und darauf wurde der Reis und das Ulam geschüttet. Und dann hat einfach jeder mit den Händen reingehauen. Wir hatten nach der langen Fahrt und der Wanderung natürlich auch mächtig Hunger. 
Am Nachmittag sind wir schließlich das letzte Stück auf die Spitze gelaufen und haben den Ausblick genossen - auf der einen Seite das Meer und auf der anderen endlose, durchweg von Wald bewachsene Hügel und Berge. Kurz unterhalb der Bergspitze war ein großer Fels, ca. 20 Meter hoch. Eigentlich sah der unbestreitbar aus, aber es gab dann doch einen Aufstieg, den man aber zuvor nicht gesehen hatte. Das war definitiv Bergsteigen auf philippinische Art - in Deutschland hätte viel mehr Sicherung stattfinden müssen bzw. wäre der Aufstieg so (es gab nur einmal ein Seil, das an einem kleinen Bäumchen festgemacht war) nicht freigegeben. Außerdem hatten manche nur Flip-Flops an, was in Deutschland niemand auch nur erwägen würde. Aber es hat Spaß gemacht und war ziemlich cool, auf so einer kleinen Plattform zu stehen und umher zu schauen. Abends haben wir wieder gekocht und später noch Fische auf dem Lagerfeuer gegrillt. Die Nacht war leider nicht wirklich zu genießen; wir hatten nur dünne Picknickdecken als Schlafunterlage und nur Leintücher zum Zudecken dabei. Es wurde zwar nicht richtig kalt (ich vermute es waren immer noch knapp 25 Grad), aber es gng ein ordentlicher Wind, wodurch es dann doch ziemlich frisch war. Außerdem hatte ich Angst, dass eine Schlange kommen und mich zu Tode beißen würde (ein Biss wäre auch nicht wünschenswert, wenn er nicht tödlich wäre). Dass diese Angst nicht unbegründet war, zeigte sich am nächsten Tag. Beim Runterlaufen ist der Junge, der zuvorderst lief, plötzlich zurückgeschreckt, weil eine Schlange auf dem Weg war. Es war nur eine kleine, vielleicht gut einen Meter lang, und ziemlich dünn, aber dafür war sie giftgrün und hat gezüngelt. Also im Prinzip wie aus dem Bilderbuch :) Aber sie war nicht aggresiv und auch ansonsten hat am alles gut geklappt. Nachmittags sind wir noch an den Strand gefahren, was bitter nötig war, weil wir alle verschwitzt und dreckig waren. Leider war das Wasser auch relativ dreckig, aber die Kinder hatten ihren Spaß. Nach dreistündiger Fahrt ohne Klimaanlage und mit 18 Leuten im Kleinbus waren wir auch alle froh, wieder daheim zu sein. (Leider kann ich gerade keine Bilder von unserer Wanderung hinzufügen, weil ich den Blog vom iPad aus aktualisiere, mit dem ich keine Bilder hochladen kann. Aber wenn ich in nächster Zeit mal wieder am Laptop bin, werden Bilder nachgeliefert.)

Ansonsten geht es mir gut - ich vermisse Deutschland zwar und die vielen tollen Menschen und Dinge dort. Aber ich habe eine gute Zeit hier und weiß, dass es etwas ganz Besonderes ist, was ich erlebe. Trotzdem freue ich mich auch schon wieder sehr auf Zuhause ;)

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